
Fast ein Wunder scheint es heute zu sein, wenn im Laufe der Elternlaufbahn nicht irgendwann auch Begriffe wie „neurodivergent“, „ADHS“, „Hochsensibilität“ oder „Autismus“ den Weg kreuzen - in Bezug auf das eigene Kind oder andere Kinder. Für die Eltern bedeutet das im ersten Schritt eine weitere Aufgabe: „Was kann ich tun, mein Kind bestmöglich zu unterstützen?“. Denn oft stehen die Kinder, die diese Labels tragen, an der Ecke des Spiels – oft missverstanden und nicht selten stigmatisiert.
Vielleicht wird es Zeit, die Perspektive zu ändern und zu erkennen, dass nicht die Kinder das Problem sind, sondern wir als Gesellschaft. Als eine Gesellschaft, die still steht während die Welt sich rasend schnell weiterentwickelt. Vielleicht zu schnell für unsere Körper?
Neurodivergenz beschreibt eine Vielfalt der neurologischen Entwicklung, die sich außerhalb des als „typisch“ geltenden Rahmens bewegt. Zu den bekanntesten Formen zählen Autismus, ADHS und Hochsensibilität. Diese Kinder sehen, hören und erfahren die Welt auf eine Weise, die anders, aber nicht weniger wertvoll ist. Ihr Verhalten, ihre Haltungen und Gedanken sind Ausdruck einer individuellen Wahrnehmung, die unseren vorherrschenden gesellschaftlichen "Normen" widerspricht.
Außerdem liefert das Verhalten dieser Kinder dem Gesundheitssystem, wie es heute „funktioniert“ Symptome, auf derer Grundlage nur allzu schnell Diagnosen gestellt werden können. Wir klassifizieren in Störungsbildern und vergessen meines Erachtens, nach der Ursache zu forschen.
Allzu oft reduziert unser aktuelles System Menschen auf Etiketten. Diese Etiketten dienen dazu, das Unbekannte zu erklären und vermeintliche Sicherheit im Umgang damit zu geben. Doch während das Etikett oft die Diskussion über die Person oder das Kind ersetzt, ignorieren wir die tiefer liegenden Ursachen ihres Verhaltens. Störungen sind kein Zeichen für Schwäche oder Versagen; sie sind Signale, die uns erstmal etwas über das Kind und meines Erachtens auch über die Herausforderungen unserer Welt sagen.
Lassen wir uns ein auf ein Gedankenexperiment: Machen wir es uns durch die Etikettierung nicht vielleicht zu einfach? Nehmen wir einfach diese Labels an, um das komplexe Zusammenspiel der sozialen, emotionalen und physiologischen Bedürfnisse zu simplifizieren? Ein Kind, das als „hyperaktiv“ oder „autistisch“ etikettiert wird, hat in Wirklichkeit einfach einen anderen Zugang zur Welt, der uns herausfordert, unser Verständnis und unsere Methoden zu überdenken.
Es ist einfach, Kinder in eine Schublade zu stecken, um ihre Verhaltensweisen besser „handhaben“ zu können. Aber was, wenn wir die Perspektive ändern könnten? Was, wenn wir die Signale, die diese Kinder senden als Einblicke in die Bedürfnisse einer sich verändernden Gesellschaft interpretierten? Statt sie an unser System „anzupassen“, könnten wir überlegen, wie wir den Ursachen auf den Grund gehen können. Wäre das nicht eigentlich eine sehr schöne Vorstellung?
Traumakompetenz, Selbstführung und Verständnis sind drei Ansätze, an denen wir heutzutage einfach nicht mehr vorbeikommen, wenn wir unsere Kinder nicht weiter in ihrer Entwicklung stören wollen. Denn wenn wir so weiter machen, bewegen wir uns weiter in einer endlosen Spirale aus Dauererschöpfung und Ohnmachtsgefühlen. Wir Eltern wollen - und müssen unsere Kinder sehen. Sie halten und stärken auf ihrem Weg zu eigenständigen kraftvollen Individuen. Denn sonst tut es keiner.
Glauben wir wirklich, die Themen unserer Kinder hätten nichts mit uns selbst zu tun?Traumakompetenz bedeutet, ein tiefes Verständnis sowohl für die eigenen Traumata und Herausforderungen zu entwickeln, als auch für die der Kinder. Was dich als Elternteil aus der Haut fahren lässt, hat nichts mit deinem Kind zu tun - das ist dein Thema. Echte Unterstützung beginnt mit Bewusstsein und Empathie - für sich selbst und für dein Kind. Sie geht weiter mit der Bereitschaft, sich selbst und dem eigenen Kind in der Tiefe zu begegnen, um den Ursachen der sich zeigenden Signale auf den Grund zu gehen.
Selbstführung bietet Eltern und ihren Kindern die Möglichkeit, mit ihren Gefühlen und Verhaltensweisen selbst aktiv umzugehen anstatt sie zu pathologisieren. Erst wenn wir Eltern uns selbst gut führen, können wir eine Orientierung für unsere Kinder sein. Selbstführung ist eine kraftvolle Ressource - vielleicht die wichtigste im Umgang und in der Beziehung mit Kindern: Wir verstehen und fühlen, welche Themen zu uns selbst gehören und welche zum Kind. Dann können wir sie ermutigen, ihre eigene Stimmen zu finden und sie zu nutzen. Wir schaffen nicht nur ein unterstützendes Umfeld, sondern fördern auch ihre Entwicklung und Unabhängigkeit.
Menschen haben immer schon unterschiedlich wahrgenommen und dementsprechend unterschiedliche Aufgaben in einer Gesellschaft wahrgenommen. Wieso versuchen wir heute, alle in ein Raster aus Normen und Erwartungen zu pressen? Wo wir doch sehr deutlich merken, dass es neben denen, die Strategien und Filter im Gehirn entwickeln um mit den Anforderungen klar zu kommen auch diejenigen gibt, denen das nicht gelingt. Wer hat entschieden, dass alles von der "Norm" abweichende Hilfe benötigt? Sollte sich das nicht falsch anfühlen? Es geht darum, in der Tiefe zu verstehen und aufzuhören, Menschen zu kategorisieren wie Warengruppen im Geschäft oder Fahrzeuge nach Gewichtsklasse.
Letztlich müssen wir uns alle fragen: Wollen wir ein System aufrechterhalten, das Labels akzeptiert, um die Dinge für uns einfacher zu machen?
Oder sind wir bereit, den Mut zu finden, die Herausforderungen in der Tiefe anzunehmen und eine inklusivere, verständnisvolle Gesellschaft aufzubauen? Es liegt an uns, die Signale von neurodivergenten Kindern zu verstehen und zu respektieren. Indem wir ihnen Gehör und Platz in der Familie und auch in unserer Gemeinschaft geben, können wir die Mosaikstücke einer inklusiven Zukunft zusammenfügen.
Inklusion bedeutet für mich nicht, unsere Kinder zu labeln und sie möglichst mitlaufen zu lassen in einem System, das nach Heilung schreit. Kinder brauchen eine Stimme und die sind wir Eltern und eigentlich auch die Menschen, die keine Kinder haben. Es betrifft uns alle.
Nichts wird sich ändern, so lange wir uns nicht ändern. Die Verantwortung liegt bei den Menschen dieser Generation. Das ist die Aufgabe, die ich sehe. Das ist, wofür ich hier bin.
Wir sind Teil der Gesellschaft. Die Veränderung startet bei uns. In der eigenen Familie.
Menschen dürfen die Welt auf verschiedene Arten wahrnehmen, die eine "richtige" Art wahrzunehmen, zu denken und zu lernen gibt es nicht. Wir sind neurologisch unterschiedlich und es wird Zeit, dass wir einen anderen Umgang damit finden, der nicht mehr auf Kosten unserer Kinder geht.
"Unterschiede wie Autismus und ADHS gab es in der gesamten Menschheitsgeschichte und sind nicht auf fehlerhafte neuronale Schaltkreise zurückzuführen. Anstatt sie als solche zu betrachten, umfasst die Neurodiversität Autismus als eine andere Denk- und Verhaltensweise." (aus der Psychology Today)
Einzigartigkeit darf nicht kritisiert werden. Du möchtest verstehen, wie du oder wie dein Kind die Welt wahrnimmt? Einen Blick darauf werfen, wie das gehirn, der Körper, das Nervensystem auf Reize reagiert? Wenn du den Blick darauf mit mir gemeinsam werfen möchtest, buche dir jetzt von Herzen gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir.
Ich freue mich darauf, dich wirklich kennenzulernen und mit dir einen Weg zu gestalten, der sich gut und gesund anfühlt - für dich selbst und / oder dein Kind.
Ich helfe kleinen wie großen Systemen, sich von störenden Faktoren zu befreien um sich frei entfalten zu können. Außerdem unterstützte ich Mütter dabei, sich selbst und ihre Kinder selbstbewusst und resilient durch das Auf und Ab des Familienlebens zu manövrieren.
