
Wir kennen alle dieses Gefühl, wenn der Tag eigentlich noch gar nicht richtig begonnen hat – und trotzdem schon das Gefühl da ist, einen halben Marathon hinter sich zu haben. Das Frühstück muss auf den Tisch, die Brotdosen wollen gefüllt werden, irgendwo wartet ein beruflicher Termin, die Wäsche schaut dich vorwurfsvoll aus dem Korb an und ganz nebenbei möchtest du vielleicht auch noch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen sein. Ja, das wäre schön, eigene Bedürfnisse spüren - wenn dafür am Ende des Tages noch Kraft übrig ist. Willkommen im echten Leben vieler Frauen und Mütter.
Gerade Frauen, die viel Verantwortung tragen, haben oft eine beeindruckende Fähigkeit: Sie funktionieren. Und zwar selbst dann, wenn die Energiereserven längst auf Reserve laufen. Ja, wir sind unfassbar stark - lies das nochmal. Zwischendurch fühlen wir uns auch wirklich manchmal nah dran an Superwoman - mit einem nicht ganz so auffälligen Outfit vielleicht. Oder war sie vielleicht auch vollgekleckert oder angesabbert und wir haben es nur nicht gesehen?
Das Problem daran? Kritisch wird es in dem Moment, in dem Stärke mit dauerhaftem Funktionieren verwechselt wird. Denn wahre Stärke zeigt sich nicht darin, auf Dauer noch mehr aushalten zu können, noch mehr tragen zu können, noch mehr Bälle in der Luft zu jonglieren. Sie zeigt sich insbesondere darin, die eigenen Ressourcen zu kennen, sie bewusst zu pflegen, rechtzeitig wahrzunehmen, wann eine Pause nötig ist und dann: Diese Ressourcen entsprechend zu nutzen!
Nicht alles, was uns kurzfristig über Wasser hält, tut uns langfristig wirklich gut.
Eine Ressource ist etwas, das dich stärkt, reguliert und dir nachhaltig Energie schenkt. Das kann ein Gespräch mit einer guten Freundin sein, ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Moment echter Ruhe oder die Fähigkeit, liebevoll und annehmend mit dir selbst umzugehen - auch und insbesondere wenn du mal nicht ablieferst, was selten passiert, sehr selten natürlich.
Daneben gibt es Strategien, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, aber eher kompensatorisch wirken. Dazu gehören zum Beispiel permanentes Durchhalten, Perfektionismus oder auch der Gedanke: „Das mache ich schnell noch eben selbst.“. Weil ich’s kann sozusagen.
Natürlich dürfen solche Strategien manchmal helfen. Das Leben mit Kindern verläuft schließlich selten nach Lehrbuch und schon gar nicht nach Plan. Problematisch wird es erst dann, wenn aus der Ausnahme die Regel wird. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht immer nur: „Hilft mir das gerade?“, sondern auch: „Stärkt mich das wohl auch noch in einem Monat?“.
Viele Frauen suchen ihre Kraft ausschließlich in sich selbst. Sie wollen stärker, gelassener oder belastbarer werden. Doch Ressourcen entstehen selten nur im Inneren.
Zu den inneren Ressourcen gehören Dinge wie Selbstvertrauen, Selbstmitgefühl, klare Werte, gesunde Grenzen und auch die Fähigkeit, den eigenen Körper wahrzunehmen mit seinen Bedürfnissen.
Äußere Ressourcen sind genauso wichtig: Menschen, die dich unterstützen. Eine Freundin, die wirklich zuhört. Ein Partner, der Verantwortung mitträgt. Verlässliche Routinen. Ein sicherer Ort zum Auftanken. Vielleicht auch therapeutische bzw. die Begleitung durch einen Coach oder eine Gemeinschaft, in der du dich verstanden fühlst. Selbstverständlich darf hier auch die Frage nach dem, was mich physisch nähren - mir Kraft schenken darf nicht fehlen.
Stell dir gerne kurz dieses Bild vor: Die inneren Ressourcen sind wie die Wurzeln eines Baumes. Äußere Ressourcen sind dabei das Wasser, das Sonnenlicht und guter Boden. Beides braucht es, damit etwas wachsen und gedeihen kann.
Viele Mütter kennen die Geschichte mit den guten Vorsätzen: Wenn schon Veränderung, dann richtig.
Ab morgen wird meditiert.
Drei Liter Wasser werden getrunken.
Sport steht viermal pro Woche auf dem Plan.
Und natürlich gibt es keinen Stress mehr.
Andere schaffen es schließlich auch.
Und dann kommt das Leben dazwischen.
Nachhaltige Veränderung entsteht oft eher unspektakulär. Manchmal beginnt sie mit einem tiefen Atemzug zwischen zwei Terminen. Mit einer Flasche Wasser, die du tatsächlich austrinkst. Oder mit zwei Minuten auf dem Balkon, während niemand etwas von dir möchte. Klein bedeutet nicht unbedeutend. Ganz im Gegenteil: Dein Nervensystem interessiert sich weniger für spektakuläre Selbstoptimierungsprojekte als für regelmäßige Signale von Sicherheit und Entlastung.
Viele Frauen haben gelernt, für andere da zu sein. Das ist grundsätzlich etwas sehr Schönes – bis es zur Einbahnstraße wird. Grenzen werden häufig als hart oder egoistisch wahrgenommen. Tatsächlich sind sie heute eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt.
Ein freundliches „Du, ich merke gerade, dass ich das heute nicht mehr schaffe.“ schützt deine Energie oft mehr als drei Wellness-Wochenenden, die du irgendwann einmal buchen möchtest, wenn nur endlich ein wenig Zeit dafür über ist.
Und ehrlich: Niemand bekommt einen Orden dafür, sich dauerhaft zu überfordern. Niemandem ist geholfen, wenn du nicht mehr kannst.
Oft suchen wir Ressourcen an den großen Orten: im nächsten Urlaub, im perfekten Wochenende oder in der Hoffnung auf ruhigere Zeiten. Dabei verstecken sich die wirksamsten Kraftquellen häufig mitten im Alltag.
Der erste Kaffee am Morgen in Ruhe - ganz bewusst.
Das Lachen deines Kindes über einen völlig absurden Witz.
Die warme Dusche nach einem langen Tag.
Das Gefühl, für fünf Minuten einfach sitzen zu dürfen, ohne dass jemand deinen Namen ruft.
Oder wie mir eine meiner Herzenskundinnen neulich sagte: „Wir brauchen 3 Umarmungen pro Tag und das machen mein Sohn und ich seit Jahren.“ - wie wundervoll ist bitte diese Ressource?
Vielleicht wirken diese Momente unscheinbar auf dich, doch genau sie sind oft die kleinen Goldstücke, die unser Nervensystem daran erinnern: Du bist sicher. Du darfst kurz durchatmen.
Wir können und dürfen auf einem hohen Niveau Vollgas geben. Unbedingt.
Und wir dürfen und sollten genau so auf einem hohen Niveau regenerieren können.
Nicht entweder oder, sondern auch.
Es wird weiterhin diese Tage geben, an denen es schlichtweg zu viel erscheint. Tage, an denen der Kalender aus allen Nähten platzt, die Kinder schlechte Laune haben und du selbst am liebsten die Bettdecke über den Kopf ziehen oder einfach ohne irgendeine Verantwortung im Gepäck die Korken knallen lassen würdest.
An solchen Tagen geht es nicht darum, perfekt reguliert zu sein.
Es geht darum, liebevoll und nachsichtig mit dir selbst zu bleiben.
Vielleicht bedeutet Selbstfürsorge dann nicht Yoga bei Kerzenschein, sondern eine Tiefkühlpizza ohne schlechtes Gewissen. Vielleicht bedeutet Resilienz an diesem Tag einfach nur, Hilfe anzunehmen.
Denn auch das ist Stärke: „Ich merke gerade, ich kann nicht mehr. Könntest du dir vorstellen, mich dabei zu unterstützen?“.
Wir wünschen uns schnelle Lösungen - für alles andere haben wir schließlich keine Zeit. Doch Ressourcen entstehen ähnlich wie die Muskulatur: nicht durch einen einzigen Kraftakt, sondern durch regelmäßiges Training.
Jeder bewusste Atemzug.
Jede gesetzte Grenze.
Jede Bitte um Unterstützung.
Jeder Moment, in dem du deine Bedürfnisse spürst und dann auch ernst nimmst.
All das sendet eine Botschaft an dein Nervensystem: Ich kümmere mich um mich.
Und genau daraus entsteht langfristig Resilienz.
Du musst nicht alles alleine schaffen.
Du musst nicht perfekt organisiert, immer geduldig oder ständig leistungsfähig sein.
Du darfst müde sein. Du darfst Unterstützung brauchen. Du darfst dein eigenes Wohlbefinden legen.
Denn deine Ressourcen sollten kein Luxus sein. Sie sind die Grundlage dafür, dass du für andere da sein kannst, ohne dich selbst dabei zu verlieren.
Vielleicht fragst du dich ab heute täglich einmal ganz bewusst:
Was hat mir heute gut getan?
Und wenn die Antwort nur lautet: „Der Kaffee war heiß und ich konnte ihn tatsächlich austrinken.“, dann ist das vielleicht schon ein sehr guter Anfang.
Manchmal ist der Zugang dazu, was man selbst braucht und was gut tun würde noch gar nicht da. Gerade wenn man sich lange Zeit immer um alle anderen gekümmert hat, scheint die Frage nach den Ressourcen auf eine innere Leere zu stoßen. Aus diesem Grund schaue ich mir in der Zusammenarbeit mit meinen Herzenskundinnen immer zuerst die Ressourcen an, die wir gegebenenfalls erst gemeinsam herausfinden und stärken. Nur so können wir sicher gehen, belastenden Erfahrungen während unserer Zusammenarbeit und auch zukünftig ein entsprechenendes Gegengewicht entgegenstellen zu können.
Denn mit einem kraftvollen Stamm und weit verzweigten Ästen sind wir in der Lage, nach den Sternen zu greifen.
Wenn du mit mir gemeinsam nach deinen Sternen suchen magst, dann melde dich von Herzen gerne. Manchmal sind sie ganz nah, vielleicht eine Mail weit weg.
Ich helfe kleinen wie großen Systemen, sich von störenden Faktoren zu befreien um sich frei entfalten zu können. Außerdem unterstützte ich Mütter dabei, sich selbst und ihre Kinder selbstbewusst und resilient durch das Auf und Ab des Familienlebens zu manövrieren.
