Wenn der Prototyp Mensch nicht mehr funktioniert – Was ist los mit unseren Kindern?

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Wer oder was bestimmt eigentlich unsere Norm?

Immer mehr Kinder, die nach innen oder auch offensichtlich nach außen aus dem Gleichgewicht geraten, versuchen sich zu befreien aus gesellschaftlichen Normen, Anforderungen und Erwartungsdruck. Verständlich, wie ich persönlich finde. Andere begründen diese Entwicklung mit einem im Gegensatz zu früher zu „laschen“ Erziehungsstil oder anderen nicht selten verurteilenden „früher war alles besser und belastbarer“-Getöne. Am Ende des Tages hat jeder seinen eigenen Blick auf die Entwicklungen der Zeit und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen oder sogar ganz woanders - dort, wo es richtig unangenehm wäre hinzuschauen. 


Sehen wir der Wahrheit ins Auge

Nicht alle schaffen es, sich der Welt, so wie sie heutzutage „funktioniert“ anzupassen. Nicht nur Kinder, auch immer mehr Erwachsene funktionieren nicht mehr einwandfrei. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht mehr können - und weil sie die Welt anders wahrnehmen als andere. Es gab sie schon immer - Menschen, die mit Eintritt in die Welt mit mehr Filtern im Gehirn ausgestattet waren und diejenigen, die naturgemäß weniger Filter hatten, die die Menge an äußeren Reizen, die im System ankommen begrenzen. Verschiedene Menschen mit unterschiedlichsten Anlagen waren immer schon notwendig und bereichernd für eine Gesellschaft. Heutzutage wird dies mehr und mehr zum Problem, weil wir der Informationsflut, der wir tagtäglich aussetzt sind kaum noch entkommen können und wir gleichzeitig versuchen, Menschen in das Bild von einem einzigen funktionierenden Prototypen zu pressen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.


Funktionstüchtig versus fehlerhaft

Die Art und Weise, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen ist angeboren. Somit bekommen wir schon mit der Geburt Anlagen mit, die entscheidend dafür sind, ob wir mit der Informationsflut und Unmenge an äußeren Reizen naturgemäß eher besser oder schlechter umgehen können werden. Gut für die einen, schlecht für die anderen. Für die anderen bedeutet dies, sich entweder anzupassen - langfristig auf Kosten der Gesundheit oder sich einen Stempel mit einer Diagnose abzuholen. Diverse Bahandlungsideen, Frust und Dauererschöpfung gibt es gratis dazu.


Sind Signale immer Symptome? 

Heute klassifizieren und kategorisieren wir in gesundheitliche Störungsbilder. Wir sortieren, diagnostizieren, therapieren. Doch muss wirklich alles therapiert werden, was sich dieser doch offensichtlich nicht ganz rund laufenden Welt nicht optimal anpasst? Vielleicht bräuchten wir vielmehr ein Gegengewicht zur Entwicklung der Welt, die rasend schnell und laut voranschreitet - begleitet von zu viel Zucker in Essen und Getränken, zu vielen Eindrücken, zu vielen Stimmen der Verunsicherung, zu viel Kunstlicht, zu wenig Schlaf, zu wenig Pausen und zu viel Lärm? Wo bleibt denn eigentlich der Gedanke, dass es umso wichtiger und wertvoller ist für ein gesundes Gleichgewicht der Welt, dass es Menschen gibt, die daran erinnern, dass es auch langsamer und leiser braucht und dass das nicht pathologisch ist, sondern vielfältig - sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen?


Keine Zeit für Anpassung

Unsere Systeme reagieren auf die Umgebung, in der wir leben. Wir passen uns an und haben das immer schon getan, doch vergessen wir bitte dabei nicht, dass wir dafür auch schon immer Zeit benötigt haben. Zeit, die wir offenbar nicht mehr haben, weil die Welt uns davon rennt. Was folgt sind diverse Signale, die wir zwar sehen, aber nicht verstehen zu scheinen. Wir beobachten in aller Seelenruhe, dass immer mehr Kinder und auch Erwachsene nicht klar kommen. Auf unsere Umgebung reagieren mit körperlichen Symptomen - gesundheitliche Beschwerden folgen, wenn wir sie nicht als Signal verstehen und entsprechend darauf reagieren, sondern sie „nur“ als Störung wahrnehmen. Diese Signale stören nämlich in einem kranken System, in dem keine Zeit für Ursachenforschung und heilende Prozesse ist. Signale werden pathologisiert, weil sie keinen Raum bekommen und nicht hinein passen in das sich immer weiter drehende Hamsterrad, das sich Gesellschaft nennt.


Wer braucht wirklich unsere Aufmerksamkeit?

Nun haben wir also - die jährlich schockierenderen Gesundheitsreporte belegen es, eine steigende Anzahl an kleinen wie großen Menschen, die signalisieren oder merken - bewusst oder unbewusst, dass es „zu viel“ ist, was die Gesellschaft unseren Systemen zumutet. Was, wenn es ein fataler Fehler ist für die weitere Gesunderhaltung bzw. Regeneration der Gesellschaft - die ja nun deutlich durch Angst und Trennung ihre Krankheitssymptome zeigt, die Signale weiterhin zu ignorieren? Vielleicht brauchen nicht unsere Kinder und wir unsere Aufmerksamkeit, sondern unsere Gesellschaft. Und vielleicht sollten wir unser Verständnis von „normal“ grundlegend überdenken und Ansätze entwickeln, wie wir eigentlich wieder „artgerecht“ leben können. 


Der Mix macht’s

Ist es nicht so, dass ein gesundes System vom harmonischen Zusammenspiel der Polaritäten lebt, die sich gegenseitig tragen und ständig neu austarieren? Ein gesunder Mix ist dynamisch, flexibel, lernbereit und gut miteinander vernetzt – immer in Bewegung, damit Stabilität, Entwicklung und Resilienz Hand in Hand gehen können. Bezogen auf unsere Welt heute bräuchte es dementsprechend Menschen, die das Tempo dieser Welt mithalten können UND die, die daran erinnern, dass es ebenso wichtig ist, das Tempo immer wieder zu reduzieren und zwar nicht nur nachts. Es braucht diejenigen, die sich körperlich schon anpassen konnten, indem sie mehr Filter im Gehirn entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, mit dem Tempo und der täglichen Reiz- und Informationsflut der Welt umzugehen. Und genau so braucht es diejenigen, die rein körperlich noch ursprünglicher veranlagt sind - quasi nicht angepasst, ausgestattet mit weniger Filtern - feinfühlig, vielfühlig, reizoffen und ursprünglich.


Von kleinen und großen Ressourcenfressern

Ist die zunehmende Anzahl an Diagnosen wie AD(H)S, LRS, Depression, Hochsensibilität und Autismusspektrumstörung die Herausforderung? Oder ist die Herausforderung viel eher das, was wir dem im familiären Kontext in der Regel entgegenzusetzen haben - zu wenig Zeit, zu wenig Energie, zu wenig Geld, zu wenig gegenseitige Unterstützung, zu wenig von allem, was es bräuchte? Ja, all diese Diagnosen sind für viele Kinder und Eltern herausfordernd, insbesondere was die eigenen Ressourcen angeht. Kinder spüren, dass sie anders sind - zu intensiv, zu vielfühlend, zu viel - für das System. Und leider auch oft für das Familiensystem, denn sind wir mal ehrlich, wie viele Familien können es sich denn leisten, wirklich gut zu sorgen für die energetischen, zwischenmenschlichen, zeitlichen UND finanziellen Ressourcen? Nicht entweder oder, sondern eben so, dass für alles gesorgt ist - für sich selbst, für die Partnerschaft, für das finanzielle Einkommen und für jedes einzelne Kind. Die Welt, wie sie zur Zeit läuft bzw. rennt frisst all unsere Ressourcen in rasender Geschwindigkeit - nichts bleibt übrig am Ende des Tages, wenn wir nicht selbst dafür sorgen. Und selbst dann - einen Tot sterben wir selbst als Selbstfürsorge-Profis, wir können eben doch nicht überall performen. So bleibt entweder der jährliche Familienurlaub, die Partnerschaft, die eigene Gesundheit, soziale Kontakte oder die individuelle Begleitung des Kindes mal mehr, mal weniger auf der Strecke. 


Und von Bauchgefühlen, die lauter werden

Wir geben unser Bestes. Jeder für sich gibt das Beste, das er heute geben kann - zumindest ist das wünschenswert. Wir dürfen uns bewusst machen, wofür es reicht und wofür oder für wen nicht. Was wir nicht hinnehmen dürfen, ist die Hoffnung darauf, dass sich irgendetwas einfach so ändern wird. Wollen wir denn wirklich, dass es so weitergeht? Kinder werden in die Welt hinein gepresst - wortwörtlich; dauert es zu lange, werden sie geholt, sie werden viel zu früh in überfüllten Betreuungs-Gruppen „gehütet", Kindergärten ohne permanenten Personalwechsel scheinen Luxus zu sein, Lehrer brennen aus, Schule ist ein eigenes Riesenthema für mehrere Blogartikel und Eltern kommen bei all dem kaum hinterher, ohne dabei selbst auszubrennen. Zurück bleibt das Gefühl, dass es nicht reicht. Wir alle sind stark gefordert, all die Eindrücke und die Anforderungen der heutigen Welt irgendwie zu verdauen. Schlafstörungen, Nervosität, Stress, Gereiztheit und Burnout sind an der Tagesordnung und nicht selten entdecken wir genau diese Symtome auch schon bei unseren Kindern. Die Reizdichte ist heute an einem Tag so hoch wie vor 70 Jahren in einem Jahr, was vielleicht erklärt, dass gerade so viel rehabilitativ gearbeitet wird wie nie zuvor. Unsere eigene Nervensystemhygiene passt gar nicht mehr in den Terminkalender und unsere Kinder bekommen viel zu wenig Strategien an die Hand, die ihnen helfen, klar zu kommen - gesund klar zu kommen heute und zukünftig. Immer mehr Menschen spüren das, ihre Systeme reagieren und wir verstehen die Signale einfach nicht.


Das nächstliegende Gegengewicht

Viele Eltern versuchen dem „zu viel“ an äußerem und inneren Druck und dem schlechten Gewissen etwas entgegenzusetzen und selbst irgendwie mitzuhalten. Da gibt es die Geschenke zwischendurch als Ersatz für die fehlende Zeit - die übrigens nie wieder kommen wird. Da folgt ein Event auf das Nächste, weil der Garten nicht mehr ausreichend ist und Langeweile so wie so unerträglich oder gänzlich unbekannt ist. Unmengen an Spielzeug in den Kinderzimmern fallen aus den Regalen und das gesellschaftliche Prinzip von „Mehr. Mehr. Mehr.“ macht auch hier leider keinen Halt. Beim gemeinsamen Einkauf gibt es dann den Schokoladenriegel, weil die energetischen Ressourcen eine Gefühlsbegleitung nach einem „Nein.“ nicht mehr zulassen. Und zack, es folgt: das schlechte Gewissen und dafür gibt es abends dann auch für Mama und Papa die Tafel Schokolade und eine riesige Portion Erschöpfung dazu. Aber das Hamsterrad läuft.


Aussteigen bitte - Schritt für Schritt

Keine Sorge, es muss ja nicht alles auf ein mal. Aber immer mal wieder und immer öfter. Unsere Körper - unsere Nervensysteme erinnern sich, sie spüren, was gut ist und was nicht. Insbesondere die Menschen, die mit einem ursprünglichen Gehirn ausgestattet sind, das deutlich mehr Reize aufnimmt als andere spüren, wann es „zu viel“ ist. Wir sind nicht kaputt und schon gar nicht „unnormal“, unsere Alarmanlagen funktionieren offensichtlich ganz wunderbar - unsere Aufgabe ist, auf sie hören und zu reagieren. Was können wir der Informationsflut also entgegen setzen?


Ein Gegengewicht, das Mut erfordert

Wir könnten anfangen, Haltung anzunehmen. Uns ehrlich zu fragen, was das Beste für uns und insbesondere für das Kind ist und was wirklich gut täte. Diese Fragen in aller Ehrlichkeit zu beantworten. Wir könnten anfangen, unseren Alarmanlagen zu vertrauen, könnten Dinge thematisieren und “Das ist eben so.” nicht mehr als Antwort akzeptieren. Immer wieder und überall. Weiterhin könnten wir endlich unsere Nervensysteme verstehen lernen, weil Bewusstsein immer der erste Schritt zu Veränderung ist.

 

Konkrete erste Schritte für dein System

  • Nein sagen, wenn du merkst, dass es sich nicht gut anfühlt. „Ich merke gerade, dass mir da nicht nach ist.“ ist ein Satz, den du dir merken und auch sagen darfst.
  • Langsamer werden. Bewusst langsamer gehen, langsamer essen, langsamer reden.
  • Pause machen - allein oder gemeinsam, wie es sich gut anfühlt ohne schlechtes Gewissen und vor allem bevor alle schon auf Knien kriechen.
  • Minipausen sind wie ausgleichende Tankstellen, besser kleine als keine - 3 Minuten am Fenster stehend, guckend und atmend sind eine Wohltat für dein gesamtes System.
  • Stop sagen und Gegenwind in Kauf nehmen - auch vom eigenen Kind.
  • Regelmäßige Naturzeiten, wie den Sonntagsspaziergang zurück in den Familienrhythmus holen.
  • Kekse backen, lesen, dazu eine Tasse Tee oder / und Kakao.
  • Für all das fehlt die Zeit? Probiere aus, wie viel Raum frei wird, wenn ihr - alle Familienmitglieder Bildschirmzeiten massiv einschränkt.


Mit äußeren Einflüssen umgehen lernen und sich von inneren Widerständen befreien

Den Einflüssen, die von außen auf uns wirken etwas entgegenzusetzen wird immer wichtiger. Damit können wir nicht früh genug anfangen - Nervensystemhygiene gehört in jede Familie. Gleichzeitig gibt es auch die Einflüsse, die uns von innen heraus hemmen und damit sind nicht die natürlichen Veranlagungen und unsere Einzigartigkeit gemeint. Es sind die inneren Widerstände gemeint, die uns daran hindern, uns frei entfalten zu können. Wirkliche Freiheit beginnt dort, wo wir kleinen und großen Systemen die Möglichkeit geben, sich in der Tiefe von störenden Widerständen im Körper befreien zu können. Ein Weg dahin ist die Reflexintegration, die direkt an den Grundlagen der frühkindlichen Entwicklung ansetzt. Durch tägliche Übungen bekommt der Körper die Chance, frühkindliche Reflexe nachträglich zu integrieren, so dass das Nervensystem langfristig stabiler, regulierter und belastbarer wird. Um die Geschenke, die dadurch langfristig auf euch warten, kann man keine Schleife binden - es wartet ein Körper, der sich gut anfühlt, weil er sich frei von Störfaktoren entfalten kann. Die Veränderungen werden nicht nur körperlich, sondern auch emotional und mental spürbar sein und nicht nur das einzelne, sondern das gesamte Familiensystem spürbar entspannen. So wird auch die gemeinsame Zeit wieder freier - freier von Belastungen, freier von Trennung und Kampf. Und das ist etwas, das nicht nach einigen Wochen in der Ecke landen wird - Verbindung bleibt.


Von Klein zu Groß

Ihr seid wichtig. Euer kleines Familiensystem macht den Unterschied. Und aus mehreren sich regenerierenden Familiensystemen entstehen größere Systeme, die sich formieren zu einer „heilenden" Gesellschaft, die bereit ist und Kraft hat, sich den Ursachen zu widmen. In der wir endlich wirklich hinschauen können, warum wir wie reagieren, warum wir keinen ehrlichen Raum haben für Vielfältigkeit und wieso wir den Blick verloren haben für den Gesamtkontext. 


Zeit, eine Haltung anzunehmen

Meine Haltung ist: Unsere Signale sind eine Chance. Hochsensibilität ist eine Stärke. Ursprüngliche Gehirne sind keine Krankheit und auch keine Abweichung von der „Norm“. Die „Norm" ist eine Illusion, an der wir festhalten wollen, um es für uns einfacher zu machen, die langsam zerbröckelt. Wir erleben tagtäglich Herausforderungen, an und mit denen wir - die Kinder, wir Eltern und die Gesellschaft wachsen können - müssen. Die Signale werden lauter und lauter werden bis wir endlich hinschauen. Durch unsere und die deutlichen Signale unserer Kinder können wir uns auf eine Reise der Entwicklung begeben – während der wir uns befreien von kranken Strukturen und hinkommen zu einem tieferen Verständnis für uns selbst in unseren verschiedenen Funktionsweisen und unserer Individualität.


Eine bereichernde Reise beginnt

Sowohl für uns Eltern als auch für unsere Kinder wird dieser Weg wertvoll sein. Gleichzeitig wird unsere gesamte Aufmerksamkeit und Energie gebraucht werden. Gehen wir also heute noch die ersten Schritte, um dem Tempo der Welt endlich etwas entgegenzusetzen und an der Seite unserer Kinder dafür zu sorgen, dass sie - dass wir endlich verstanden und gestärkt statt etikettiert und passgerecht gemacht werden.


Eine Welt voller Möglichkeiten

Manchmal ist der erste Schritt der, der am meisten Energie und Mut erfordert. Ich möchte die Hürde so gering wie möglich halten. Mein Online-Test gibt eine erste Einschätzung, ob frühkindliche Reflexe im Körper dauerhafte Störfaktoren sein können. Desweiteren kann ein unverbindliches Erstgespräch eine gute Idee sein, um sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, Ideen über die nächsten möglichen Schritte zu bekommen und vor allem: Ein Bauchgefühl zu kriegen.

Ich bin Tina Möller.

Reflexintergrations- & Dipl. Bewegungstrainerin,
Mental- & EMDR-Coach,
Reiki Therapeutin 3. Grad,
Yin Yoga & Kinderyoga Lehrerin

Ich helfe kleinen wie großen Systemen, sich von störenden Faktoren zu befreien um sich frei entfalten zu können. Außerdem unterstützte ich Mütter dabei, sich selbst und ihre Kinder selbstbewusst und resilient durch das Auf und Ab des Familienlebens zu manövrieren.

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