Was ist Reflexintegration?

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Gehört das so?

Es gibt Kinder, die sich scheinbar ganz mühelos zu geschickten, lernfreudigen und umgänglichen kleinen großen Menschen entwickeln. Und es gibt die, bei denen es irgendwie ganz anders läuft. Sie scheinen immer wieder aus für uns nicht direkt ersichtlichen Gründen vor Herausforderungen zu stehen, was nicht nur die Entwicklung dieser Kinder selbst fordert -auch die Ressourcen ihrer Eltern sind im besonderen Maße gefordert. 


Auf der einen Seite wollen wir Eltern unsere Kinder genau so annehmen, wie sie sind, ihnen ihre Einzigartigkeit zugestehen und ihnen das bisschen mehr Zeit geben, das sie vielleicht im Vergleich zu anderen Kindern brauchen. Und das ist gut so. Und gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass sie sich frei von Störfaktoren entfalten können und wir nichts übersehen. Ein Balanceakt, der unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit verlangt.


Wir schauen hin und sehen nicht

Fast 70 Prozent der Eltern fühlen sich laut einer Forsa-Umfrage infolge hoher Belastungen mitunter erschöpft und ausgebrannt. Eltern geben ihr Bestes, sich selbst und die eigenen Kinder bestmöglich durch diese Welt zu navigieren. Ursachenforschung verbraucht Ressourcen; Zeit, Energie und Geld. Wir streben nach dem Besten - nach 100 % und müssen uns doch immer wieder eingestehen, dass es herausfordernd ist, sich durch diese Zeiten zu manövrieren. Die Entscheidung für ein Kind in der heutigen Zeit ist in meinen Augen eine Entscheidung für die Übernahme von Verantwortung, die nicht an das Gesundheitssystem abgegeben werden kann und auch nicht sollte.


Stören wir unsere Kinder in der Entwicklung?

Eine zunehmende Zahl an Kindern zeigt sich dadurch, dass sie mehr Aufmerksamkeit von uns verlangen - sie sind "zu laut", "zu leise" oder "zu originell". Für uns Eltern bleibt neben der Hoffnung, dass sich bestimmte Themen mit der Zeit von selbst erledigen werden die Orientierungslosigkeit in einem Irrgarten an verschiedensten Therapieansätzen. Zuerst scheint es dementsprechend vielleicht einfacher, an der Oberfläche zu bleiben, indem wir nur allzu schnell mit Diagnosen auf Symptome reagieren. Doch der Preis, den wir zahlen, ist zu hoch - sowohl für die Kinder als auch für uns Eltern und die Gesellschaft von heute und morgen.

Was, wenn die Diagnose nur ein Pflaster ist, das irgendwann durch ist?

Unser eigener Sohn ist 6 Jahre alt. Wie alle Eltern, geben wir tagtäglich unser Bestes, ihn zu sehen und zu stärken. Und auch uns fordert es immer wieder, abzuwägen, wem und was wir unsere Beachtung und unseren Fokus schenken und wo nicht. Eltern sein ist nichts für Anfänger. Beginnend mit dem „kleiner als die Norm“-Stempel als er nicht mal 6 Monate alt war kamen wir als Eltern schnell in Berührung mit Einschätzungen wie „Er ist wirklich sehr sensibel.“, „Wir sehen ihn im Autismus Spektrum.“, „Haben Sie schon an Hochsensibilität gedacht?“ so wie „Selektiver Mutismus wird spätestens in der Schulzeit ein Problem werden.“. Hätten wir uns als Eltern mit all diesen Etikettierungen abgefunden und wären nicht auf die Suche nach der Ursache gegangen, gehe ich davon aus, dass wir künftig auch mit ADS-Vermutungen in Berührung gekommen wären. Diese erwarte ich nicht mehr, denn uns hat es nicht gereicht, dass "das Kind nun einen Namen hat" dafür, wie er seine Welt erlebt und wie er sich in dieser Welt zeigt. Wir wollten dem "Warum?" auf den Grund gehen.

Von Ratschlägen, Ratgebern und dem mütterlichen Bauchgefühl

Ich bin ehrlich, ich finde mich oft in meinem Sohn wieder. Da wäre unsere Abneigung gegen Menschenansammlungen, Lärm, Hektik, das fremdbestimmte Durchkreuzen unserer Pläne und Vorstellungen, unser Bedürfnis nach Pausen und Rückzug und vieles vieles mehr. Vielleicht ist er auch einfach ein bisschen was von mir - es wäre nachvollziehbar und ich finde mich tatsächlich ganz "normal".

Durch meine 20-jährige Erfahrung in der Arbeit mit unzähligen Körpern und Nervensystemen, das Lesen mehrerer Ratgeber und vielen Gesprächen mit Kollegen stellt sich mir immer wieder eine Frage: Kann es vielleicht sein, dass die Welt einfach zu schnell und zu laut ist und wir - und insbesondere unsere Nervensysteme Zeit bräuchten, uns an dieses massive Tempo zu gewöhnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Blogartikel "Wenn der Prototyp Mensch nicht mehr funktioniert – Was ist los mit unseren Kindern?". Eine zweite Frage, mit der sich nun dieser Blogartikel beschäftigen soll, ist die nach möglichen Ursachen neurologischer Entwicklungsverzögerungen, die sich nicht mit mehr Zeit und mehr Annahme in Luft auflösen können.


Das Nervensystem gehört auf die Titelseiten

Unabhängig davon, ob sich unsere Kinder "zu laut", "zu leise" oder "zu originell" zeigen: die Ursache ist in unseren Nervensystemen zu finden. Nicht nur die Systeme unserer Kinder melden Alarm, auch unsere eigenen. Unsere Körper fühlen sich in Gefahr und die Ursachen hierfür sind vielfältig und sowohl um uns herum als auch in unserem Inneren zu finden. Klar ist, dass wir - unsere Körper noch nicht ausreichend Zeit hatten, sich an das schnelle Tempo der heutigen Welt anzupassen und das spüren insbesondere unsere Kinder, weil sie noch keine Möglichkeit hatten, sich mehrere Jahre daran zu gewöhnen.

„Wir können der Tatsache nicht ausweichen, dass jede einzelne Handlung, die wir tun, ihre Auswirkung auf das Ganze hat.“ sagte Albert Einstein. Und das Ganze ist komplex. Ich wünsche Eltern Menschen an ihrer Seite, die sich der Komplexität des Ganzens bewusst sind. Die Wahrheit ist: Jeder kocht sein eigenes Süppchen und der Blick für den Gesamtkontext bleibt bislang eine Seltenheit. Doch sollte nicht jedes Kind sich darauf verlassen dürfen, dass seine Eltern und die Menschen, bei denen sie sich Unterstützung erhoffen alles dafür tun, es zu sehen, zu halten und zu stärken?

Reflexintegration als mögliche Antwort

Unser Nervensystem beeinflusst alles. Frühkindliche Auffälligkeiten in sozial-emotionalen, kognitiven, sensorischen und motorischen Bereichen können Auswirkungen von Restriktionen frühkindlicher Reflexe sein, was in meinen Augen schon einen Blick in diese Richtung rechtfertigt - bevor eine Diagnose gestellt wird. Das Reflexintegrationstraining zielt darauf ab, nicht vollständig integrierte frühkindliche Reflexe auf körperlicher Ebene nachträglich zu verarbeiten, um sozial-emotionale, neuromotorische so wie motorische Fähigkeiten zu stärken bzw. überhaupt erst zu ermöglichen. Sind frühkindliche Reflexe noch aktiv kratzt jeder Therapieversuch, der nicht an dieser Ursache ansetzt an der Oberfläche und verbraucht viel Energie bei verhältnismäßig wenig Fortschritt.


Was sind frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe sind automatisierte Bewegungsmuster, die bis zur Geburt und in den ersten Lebensmonaten Selbstschutz so wie die Nahrungssuche und -aufnahme ermöglichen. Diese Reflexe sind evolutionär bedingt und spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben eines Neugeborenen:


  • Der Suchreflex beispielsweise hilft dem Baby, die Brust oder die Flasche zu finden.
  • Der Greifreflex ermöglicht es ihm, sich an Objekten - oder Mama festzuhalten.
  • Mit dem Moro-Reflex reagiert das Neugeborene auf plötzliche Bewegungen oder Geräusche.


Idealerweise sollten diese Reflexe im Laufe der frühen Kindesentwicklung integriert, d.h. vom Nervensystem als "nicht mehr benötigt" bewertet und in Folge dessen physiologisch gehemmt werden. Wenn dies jedoch aus verschiedenen Gründen nicht geschieht, können die Reflexe die Entwicklung des Kindes maßgeblich behindern. Der Körper des Kindes versucht in diesem Fall unbewusst, diese Reflexe zu kontrollieren, was sehr viel Energie kostet. Aus diesem Grund ermüden betroffene Kinder zum Beispiel schneller als andere und empfinden viele Dinge anstrengender oder intensiver als Kinder, die diesem Störfaktor nicht ausgesetzt sind.


Zusammenhang von Reflexintegration und ADHS

Studien haben einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen nicht integrierten frühkindlichen Reflexen und ADHS-Symptomen aufgezeigt.


Kinder, deren frühkindliche Reflexe weiterhin aktiv sind, kämpfen oft mit:


  • Schwierigkeiten beim Sitzenbleiben
  • Impulsivem Verhalten
  • Konzentrations- und Lernschwierigkeiten
  • Koordinationsproblemen
  • Hyperaktivität
  • Schwierigkeiten bei der Stiftführung und beim Schreiben, so wie beim Lesen
  • Schreckhaftigkeit, Ängstlichkeit


Da die Thematik der frühkindlichen Reflexe bisher noch nicht in aller Munde ist, lohnt sich bei obigen Symptomen entsprechend immer im ersten Schritt ein Blick in Richtung frühkindliche Reflexe, um nicht nur die Symptome zu regulieren, sondern gegebenenfalls - wenn die Reflexe ursächlich sind direkt an der Ursache ansetzen zu können.


Dauerhafte Störfaktoren im System

Einer der bedeutsamsten Reflexe in diesem Zusammenhang ist der symmetrisch-tonische Nackenreflex (STNR), der normalerweise den Übergang vom Krabbeln zu anderen motorischen Fähigkeiten unterstützt. Bleibt dieser Reflex aktiv, kann dies die Selbstregulation und Koordination beeinträchtigen. Am Bender Institut fand man heraus, dass ein fortbestehender STNR ein signifikanter Faktor bei Kindern mit ADHS und ADS war. Beide Gruppen machten große Fortschritte nach der Hemmung des STNR.


Ein weiterer bedeutsamer Reflex ist der Moro-Reflex, der als eigene „Alarmanlage“ fungiert. Wenn der Körper nun auf Grund eines noch aktiven Moro-Reflexes dauerhaft "Alarm schlägt", führt das dazu, dass das Kind hypersensibel ist und in stressigen Situationen überreagiert oder aus einem Schutzmechanismus des Nervensystems gar gar nicht reagiert - einfriert. Ganz unabhängig davon, wie das Kind sich verhalten will, entscheidet der Körper darüber, wie es sich verhalten wird. Dies kann im sozialen und schulischen Zusammenhang zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Auch scheint es mögliche Verbindungen zu geben zwischen dem Fortbestehen des Moro-Reflexes und einem nicht verarbeiteten Trauma. So lohnt sich im weiteren verlauf der Zusammenarbeit auch ein systemischer Blick in auf den Gesamtkontext - quasi eine Ebene tiefer, aber dazu mehr in künftigen Blogartikeln.


Wie funktioniert die Reflexintegration?

Thematiken, die ihre Ursache im Körper - im Nervensystem finden, lassen sich nicht über den Verstand, über eine andere Pädagogik oder mehr Liebe auflösen. Sind frühkindliche Reflexe restaktiv, geht der Weg ausschließlich über den Körper. Der Prozess der Reflexintegration beinhaltet gezielte tägliche Bewegungsübungen, die das Nervensystem stimulieren und die Gehirnareale aktivieren, die für die Hemmung der jeweiligen Reflexe verantwortlich sind. Durch die regelmäßige Wiederholung der Bewegungsabfolgen über einen längeren Zeitraum wird das Gehirn darüber informiert, dass die frühkindlichen Reflexe nicht mehr benötigt und vom System "integriert" werden können.


Der Ablauf in der Praxis


  1. Analyse und Erstgespräch: Tests gibt Aufschluss darüber, welche Reflexe noch aktiv sind.
  2. Übungen: Mit einem Trainer oder einer Trainerin für Reflexintegration werden die individuellen Bewegungen für die bevorstehenden 4 - 6 Wochen gemeinsam durchgegangen.
  3. Regelmäßigkeit: Über einen Zeitraum von ca. einem halben Jahr unterstützen Übungsblätter dabei, die Übungen mindestens 5 x pro Woche zu Hause zu machen. Diese Regelmäßigkeit ist entscheidend für den Erfolg.
  4. Erfolg: In der Zusammenarbeit mit mir als Trainerin begleite ich den Prozess durch Höhen und Tiefen. Ein Erfolgsglas steht zu Hause bereit um immer wieder spürbare Veränderungen festzuhalten.
  5. Freiheit: Je ruhiger das System des Kindes wird, desto mehr Raum wird auch im Familiensystem frei werden, sich begleitend und / oder abschließend auch dem nicht selten belasteten Mama-System zuzuwenden. Eine integrierende Erfahrung aus Körper- und Energiearbeit so wie ein systemischer Blick auf den Lebenskontext verhilft zu langfristiger Freiheit - wenn gewünscht.


Ursachenforschung lohnt sich immer

Die Reflexintegration bietet eine vielversprechende und sanfte Möglichkeit, auf die Signale unserer "zu leisen", "zu lauten" und "zu originellen" Kinder zu reagieren ohne direkt auf Medikamente zurückgreifen. Durch die Integration frühkindlicher Reflexe können Eltern ihren Kindern langfristig ermöglichen, eine stabilere emotionale Grundlage zu entwickeln und alltagsbezogene Fähigkeiten, die insbesondere mit Schulbeginn wichtig werden zu stärken - von innen und aus sich selbst heraus.


Wenn du daran interessiert bist, mehr über den Weg der Reflexintegration zu erfahren, vereinbare gerne einen Termin für ein unverbindliches Erstgespräch oder mache direkt meinen Online-Test. Der Test prüft mehrere erforschte Symptome ab, die auf die Aktivität frühkindlicher Reflexe hindeuten können. Das Testergebnis erhältst du direkt im Anschluss. So kannst du bereits jetzt erfahren, ob bei deinem Kind möglicherweise noch frühkindliche Reflexe aktiv sind und der Blick in diese Richtung sich für euch lohnen könnte. Die Chance, das Wohlbefinden deines Kindes - und euer Eigenes nachhaltig zu steigern, könnte nur einen Schritt entfernt sein. Sind es immer die Reflexe, die für Entwicklungsverzögerungen verantwortlich sind? Nein - aber wenn sie es sind, ist der Weg zur Entspannung des Systems klar und vor allem ohne Medikation möglich.


Was, wenn das Kind schon "einen Namen hat"?

Es ist nie zu spät, frühkindliche Reflexe zu integrieren. Bei Vorliegen einer ärztlichen Diagnose kann Reflexintegration nach Absprache mit dem Arzt ergänzend durchgeführt werden. Sollte dein Kind in ärztlicher Behandlung sein oder Medikamente einnehmen, so besprich bitte das weitere Vorgehen und die Eignung des Trainings für dein Kind im ersten Schritt mit eurem Arzt des Vertrauens. Die Reflexintegration kann bei ADHS-, ADS- oder LRS-ähnlichen Symptomen eine unterstützende Maßnahme sein, ist aber keine Heilbehandlung und soll diese nicht ersetzen.


Des Weiteren zählt immer der gesamte Lebenskontext und: natürlich dein Bauchgefühl.


Unabhängig von frühkindlichen Reflexen

Eltern müssen Fragen stellen und hinterfragen - sich selbst und andere. Sie müssen da sein, um zu sehen, zu halten und zu stärken - das ist etwas anderes, als sie passgerecht zu machen für das System. Sie müssen wirklich präsent sein und Sicherheit schenken. Damit das möglich ist, müssen sie sich um sich selbst kümmern können. Sie müssen auf ihr Bauchgefühl hören - das gilt insbesondere für uns Mütter. Und kein Kind "muss irgendwo durch" und nicht alles "verwächst sich einfach so". Das setzt unter Druck? Nimm mal den Perfektionsdruck raus und gleichzeitig: Wie gesagt, Eltern sein ist nichts für Anfänger.


Bei Fragen schreibe mir gerne eine Mail.

Ich freue mich, euch kennenzulernen.

Ich bin Tina Möller.

Reflexintergrations- & Dipl. Bewegungstrainerin,
Mental- & EMDR-Coach,
Reiki Therapeutin 3. Grad,
Yin Yoga & Kinderyoga Lehrerin

Ich helfe kleinen wie großen Systemen, sich von störenden Faktoren zu befreien um sich frei entfalten zu können. Außerdem unterstützte ich Mütter dabei, sich selbst und ihre Kinder selbstbewusst und resilient durch das Auf und Ab des Familienlebens zu manövrieren.

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